Bocas del Toro — Faultiere, Rote Frösche und das Glück der langsamen Reise

Manchmal ist Ankommen erst der Anfang.
Nachdem Jurney seinen Rückflug nach Curaçao angetreten hatte, lag ich erst noch in der Bucht vor Bocas und ließ den Ort auf mich wirken. Kein fester Plan, keine Eile. Genau das, wofür man ein Segelboot hat.

Gasflasche, Cockpit und die Wahrheit über vernachlässigtes Teak

Die erste Aufgabe war pragmatisch: meine Gasflasche war auf der Überfahrt leer gegangen. Weg damit zur Füllstation, neu befüllen lassen — erledigt (nach 10 Tagen).
Während ich darauf wartete, machte ich mich an ein Projekt, das schon längst überfällig war: das Cockpit.

Das Teak war in einem Zustand, den ich höflich als „bedauerlich” bezeichnen würde. Vernachlässigt, gerissen, und — was mich erst in Panama so richtig traf — undicht. Jemand hatte die Teakleisten irgendwann mit Schrauben befestigt. Klingt stabil, ist es aber nicht, wenn die Schrauben Löcher in den Backskisten hinterlassen. In Curaçao fiel das kaum auf. In Panama regnet es öfters. Und dann findet man jeden einzelnen kleinen Riss und jede Leckage auf einmal.

Kurz vor der Abfahrt von Curaçao hatte ich eine selbstklebende EVA-Matte gekauft — als Ersatz für das Teak, irgendwann, wenn die Zeit käme. Die Zeit war jetzt. Ich schnitt die Matte zu, klebte sie sorgfältig auf, dichtete ab, was abgedichtet werden musste. Das Ergebnis: ein Cockpit, das wieder so aussieht wie es soll — und vor allem: trocken bleibt.

Wiedersehen in der Karibik — ein Schweizer Paar und spontane Pläne

Während ich noch mitten in meiner Bastelei steckte, fuhr ein Katamaran in die Bucht ein. Ich kannte die beiden — ein Schweizer Paar, das ich bereits in Curaçao kennengelernt hatte. Die Welt der Segler ist klein. Manchmal kleiner als man denkt.

Die Projekte? Konnten noch eine Weile warten. Die Inseln riefen.

Sonnenaufgang in Bocas del Toro
lecker Essen auf Isla Bastimentos

Playa Estrella — wo die Seesterne wohnen

Unser erster gemeinsamer Ausflug führte uns zu dem Strand, der viele Besucher anzieht: Playa Estrella, der Seesterne-Strand.
Tagsüber ist es voll, das stimmt. Touristen, Wassertaxis, Trubel. Aber wer am späten Nachmittag bleibt — wenn die Tagesausflügler wieder verschwunden sind und das Licht golden über das Wasser fällt — erlebt einen ganz anderen Ort. Ruhig. Entspannt. Fast unwirklich schön.

Wir spazierten an den Stränden auf der anderen Seite der Bucht entlang, schauten uns die Umgebung an und genossen die Stimmung. Der Abend blieb hängen.

Strand Playa Estrella
Der Strand wo Seesterne wohnen
Playa Estrella restaurants bars und seesterne

Old Bank und der Wizard Strand — Faultier auf Probe

Ein paar Tage später hoben wir den Anker und setzten nach Isla Bastimentos über. Vor Old Bank ankerten wir — dem kleinen Ort, der so viel Charme hat und so wenig Aufhebens darum macht.

Von dort führt ein kurzer Wanderweg über die Insel zum Wizard Beach. Ankern kann man dort nicht wegen der Brandung, aber der Strand selbst ist einer dieser Strände, die man einmal gesehen hat und danach als Maßstab nimmt. Strandbar, kaltes Getränk, Meeresrauschen — was will man mehr?

Ein Faultier wollten wir sehen. Den Wald haben wir abgesucht. Erst nichts. Später — beim zweiten Hinschauen, ganz oben in den Ästen — doch noch eines entdeckt. 

Isla Bastimentos ist sehr bunt
Wizard Beach Isla Bastimentos

Red Frog Beach — Fünf Stunden, zwei Faultiere und ein winziger roter Frosch

Der nächste Abschnitt führte uns weiter, etwa zwei Seemeilen, in die Mangroven nahe der Red Frog Marina. Von dort aus startet eine Wanderung, die uns fünf Stunden beschäftigen sollte — durch Dschungel, über Hügel, an Stränden entlang.
Das Ziel: Rote Frösche suchen am Red Frog Beach. Benannt nach einem Frosch, der so klein ist wie ein Fingernagel und so rot, dass man ihn trotzdem findet, wenn man genau hinschaut. Wir fanden ihn. Ein winziges, leuchtendes Ding, das auf einem Blatt saß und die Welt offensichtlich nicht weiter beeindruckend fand.
Dazu zwei Faultiere. Träge, unbeeindruckt, perfekt.
Aber auch abgesehen vom Ziel lohnte sich die ganze Wanderung. Die Natur in diesem Teil von Panama ist so üppig, so grün, so still in der richtigen Weise, dass man vergisst, wonach man eigentlich gesucht hat — und einfach nur schaut.

Naturstrände auf der Nordseite von Isla Bastimentos
Faultier im Baum am schlafen
Roter Frosch

Die Delfinbucht — Mangroven, flaches Wasser und eine Farm am Ende der Welt

Von einer nahe gelegenen Bucht sollte ein weiterer Wanderweg abgehen. Das Wetter hatte andere Pläne: Regen, grauer Himmel, kein Durchkommen. Also weiter.
Nächstes Ziel: die Delfinbucht bei Isla Cristóbal.

Der Weg dorthin war das eigentliche Abenteuer. Kanäle zwischen Mangroven, flaches Gewässer, kaum Spielraum. Meine Schweizer Freunde mit ihrem Katamaran fuhren voraus — praktisch, da ihr Schiff deutlich weniger Tiefgang hat als die SV Anima. Sie maßen mir gewissermaßen die Tiefe vor. Es half.

In der Delfinbucht verbrachten wir vier Tage vor Anker, neben einer winzigen Insel, auf der sich eine amerikanische Familie niedergelassen hat. Eine kleine Farm, ein kleines Restaurant. Wir aßen Pizza, bekamen eine Führung über die Farm und hatten Gespräche, die man so nicht plant.
Das Wetter spielte auch hier kaum mit. Aber wenn man erst einmal akzeptiert, dass Panama im Regen genauso schön ist wie im Sonnenschein — dann ist auch das gut.
Als wir schließlich aufbrechen wollten, tat das Wetter natürlich sofort so, als hätte es nie geregnet.

Dolphin Yacht Club Insel
Vor Anker bei der Dolphin Yacht Club insel

Letzte Tage gemeinsam — Old Bank als Abschluss

Bevor meine Schweizer Freunde wieder Kurs auf das Festland nahmen, verbrachten wir die letzten gemeinsamen Tage erneut vor Isla Bastimentos. Ein schöner Ort zum Abschluss. Man kann ins Dorf laufen — und vor allem: liegt man ruhig.

Bocas Stadt ist das Gegenteil davon. Wassertaxis in alle Richtungen, ständig Bootsverkehr, die Ankerbuch etwas offen und damit anfällig für Schwell und Unruhe.

Als Versorgungsbasis ideal. Als Ruhepol weniger.

Solo in Bocas — Wäsche, Wasser und ein Wiedersehen mit den Seesternen

Nach der Abreise meiner Schweizer Freunde blieb ich zwei Tage und fuhr dann zurück nach Bocas. Das Wetter hatte nun vollends auf Dauerregen umgestellt — und damit kamen auch die ersten kleinen Herausforderungen.

Meine Batteriekapazität ist gut. Meine Solarpanele liefern genug, für normale Verhältnisse. Aber vier Tage ohne eine einzige Sonnenstunde? Das zehrt. Ich überlegte kurz, eine Nacht in der Marina zu verbringen und mit Landstrom nachzuladen. Am Ende blieb ich vor Anker und wartete auf besseres Wetter.

Die Zeit nutzte ich sinnvoll: Wäsche zur Wäscherei gebracht — in Panama kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit, denn ohne Trockner hat man bei Dauerregen schlicht keine Chance.

Frische Lebensmittel besorgt, Wassertanks aufgefüllt, das Übliche.
Und dann, weil es mir beim ersten Mal so gut gefallen hatte: spontan noch einmal zum Seesterne-Strand. Manche Orte braucht man zweimal.

Ankern vor Playa Estrella
Vor Anker vor Playa Estrella
Sand Strand Palmen Playa Estrella

Bocas del Toro ist kein Ort, den man schnell abgehakt. Es ist ein Archipel, das einen langsam in sich hineinzieht — eine Bucht nach der anderen, ein Strand nach dem nächsten, ein Faultier, das man erst beim dritten Hinschauen entdeckt.

Wie es weitergeht, erfährst du im nächsten Artikel.

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Paul – SY ANIMA