Manchmal geht es auch schneller voran.
Die vergangenen Wochen war spannend, interessant und sämtliche Punkte auf meiner Liste können fast abgehakt werden. Warum fast? Die wichtigen Dinge dauern leider etwas länger.
Bei meinen Ausgrabungen im Boot entdeckte ich eine Sprayhood, die jedoch etwas beschädigt war. Die ganze Zeit zuvor überlegte ich, was ich machen sollte, eine Sprayhood kaufen oder gleich eine Eigenkonstruktion us Holz und Glasfaser zu bauen. Als ich aber die Sprayhood entdeckte war ich etwas erleichtert. Der Schaden war recht gering und der Segelmachen reparierte es für umgerechnet 100 Euro.
Die Befestigungstangen hatte ich noch und so war das schnell erledigt und das Boot bekam ihre Sprayhood, die sich als sehr praktisch erweist. Ganz praktisch ist dabei, dass ich bei Regen trotz dem sämtliche Fenster und den Niedergang offen lassen kann, was sehr viel zur Lüftung beiträgt. Es sind da zwar immer noch ein paar Befestigungspunkte zu reparieren, aber das dürfte ich in den kommenden Tagen hinbekommen.
Nach Wochen der Wartezeit haben wir mal wieder eine Rumpf-Feuchtigkeitsüberprüfung gemacht und mittlerweile war der Rumpf soweit ausgetrocknet, dass man mit den eigentlichen Arbeiten beginnen konnte. Einige Stellen waren doch etwas tief – diese habe ich mit Glasfaser und Epoxy aufgefüllt. Anfangs hatte ich etwas Schwierigkeiten dieses Material zu verarbeiten, aber mit etwas Übung ging es dann.
Die Schwierigkeit war die Glasfaserstücke so anzubringen, dass keine Luftblasen eingeschlossen wurden. Da ich quasi von unten am Rumpf arbeiten musste, war das etwas schwieriger, denn die Luftbläschen sammelten sich zwischen Rumpf und dem neuen Glasfaser – mit viel Geduld durfte ich diese rausdrücken und parallel schauen, dass genug Epoxy vorhanden war und das Glasfaser richtig durchgetränkt blieb. Wie bereits erwähnt, mit etwas Übung ging es dann immer besser voran.
Als diese Stellen ausgehärtet waren, ging es dann mit Füllmasse weiter, quasi verspachteln. Da gibt es viele unterschiedliche Materialien die man nutzen kann und auch da gab es wieder Herausvorderungen. Man empfahl mir erstmal mit Epoxy und Silicapulver meine Masse anzurühren und damit auszufüllen. Silica wird richtig hart wenn es ausgetrocknet ist und muss für das weitere Verarbeiten etwas angeschliffen, bzw angeraut werden.
An dieser Stelle kam ich mit meinem Schwingschleifer nicht mehr weiter und musste mir ein anderes Gerät beschaffen – einen Winkelschleifer, oder wie viele es auch bezeichnen, eine Flex. Da kam dann eine spezielle Schleifpapierscheibe rein und los gings. Damit kam ich in der Tat wieder gut voran, aber man musste sehr vorsichtig schleifen, da man sonst schnell wieder tiefe Streifen reinschleift. Aber auch das ging dann mit etwas Übung immer besser und schliesslich kam die etwas weichere Spachtelmasse zum einsatz für den letzten Schliff sozusagen.
Diese Masse ist Rot-Braun und wird ebenfalls mit Epoxy angemischt. Ich habe dazu immer noch etwas Silica mitreingemischt um eine entsprechende Festigkeit zu bekommen. Endloses spachteln, schleifen und wieder spachteln war an der Tagesordnung, aber ich war endlich soweit, dass ich das Antifouling anbringen konnte. Man hätte es zwar noch weiter perfektionieren können und den Rumpf soweit bringen können, dass es wie neu aussehen würde, aber dazu war einfach mein Budget zu knapp und langsam lief mir die Zeit davon. Jeder Tag in der Marina kostet Geld und da ich die Renovierung des Bootes vom Ersparten finanziere, ist es kritisch die Kosten unter Kontrolle zu haben.
Die Entscheidung bei der Wahl des Antifouling war nicht leicht. Auch da gibt es so viele verschiedene Materialien, dass einem die Auswahl erschlagen kann. Es gibt einige günstige Varianten, aber diese halten auch nur sehr kurze Zeit. Dann muss man es erneut anstreichen und dazu muss das Schiff wieder ausm Wasser – und damit gibt es erneut Kosten die deutlich höher sind, als gleich ein Produkt zu nehmen, welches etwas länger hält und vielleicht 2 oder gar 3 Jahre dran bleibt.
Nach einige Recherchen habe ich mich dann entschieden SeaJet Produkte zu nehmen. Der Primer bzw die Grundierung gibt es als 2 Komponenten Variante. Diese beinhaltet Epoxy und wird entsprechend angerührt und muss dann innerhalb relativ kurzer Zeit verarbeitet sein, ansonsten erhärtet es und ist dann nicht mehr zu gebrauchen.
Der Vorteil dieses Primers ist, dass er den Rumpf gegen Feuchtigkeit versiegelt und somit Osmosis vorbeugend wirkt. Das kann man auch nur anwenden, wenn der Rumpf trocken ist. Ansonsten schliesst man die Feuchtigkeit ein und erzeugt damit ein noch größeres Problem – der Rumpf rottet dann von ihnnen weg.
Die Grundierung wird in min. 2 Schichten aufgetragen. Die Erste Schicht war noch sehr entspannt und ging recht zügig. Etwa 3 Stunden und der Rumpf war komplett grundiert.
Interessant wird es dann bei der zweiten Schicht und der ersten Schit des eigentlichen Antifouling. Auch beim Antifouling habe ich mich für eine 2-Komponenten Variante entschieden. Diese Beinhaltet zwar kein Epoxy, aber es wird ein Kupferpulver mitreingemischt und in Kombination mit anderen Metallen erzeugt dies eine Schicht, die in de Tropen sehr gut gegen Bewuchs und Algen fuktioniert.
Nun ging es aber ums anstreichen – da der Primer Epoxy beinhaltet ist es wichtig, dass die zweite Schicht nicht komplett trocken ist bevor die erste Schicht Antifouling drauf kommt. Dieser Schritt ist kritisch, denn wenn das Epoxy abgehärtet ist, haftet das Antifouling nicht mehr. Das würde dann bedeuten, entweder eine dritte Schicht Grundierung aufzutragen und dann zeitlich passend das Antifouling, oder man muss es leicht anschleifen.
Ich hatte die vergangenen Wochen echt genug geschliffen und wollte das vermeiden. Ein netter Mitsegler aus Österreich (von der Inspiration), der gerade auch in der Marina war und auf Ersatzteile wartete, bot mir seine Hilfe an und so konnten wir gemeinsam zeitversetzt beide Schichten anbringen. Die zweite Antifoulingschicht kann man dann problemlos auftragen nachdem die erste abgetrocknet ist.
Wie bereits in einem anderen Artikel erwähnt, gibt es in der Marina jeden Freitag die Happy Hour, wo sich alles Segler treffen. Da ich fast jedes mal dabei bin, habe ich auch dieses mal wieder nette Mitsegler kennen gelernt.
Ein Paar aus Österreich (oben kurz erwähnt), unterwegs auf der Segelyacht Inspiration auf dem weg aus der Ostkaribik nach Panama, legte einen Stop in Curacao ein für eigentlich eine kurze Wartung. Trotz Zusicherung des Volvopartners auf Curacao, dass die Teile unterwegs wären und jeden Moment auf Curacao eintreffen sollten, kam alles etwas anders. Das Schiff wurde aus dem Wasser gehoben und der Antrieb wurde aufgemacht und Dichtungen ausgebaut, bevor die neuen Teile da waren (ein großer Fehler). Das Drama begann dann, als die Teile nicht da waren und man könnte vermuten, dass man vergessen hatte diese zu bestellen.
Zum Ärger für die beiden Segler, denn nun war man gefangen. Die alten Dichtungen kann man nicht wieder einbauen, ohne Dichtungen kann das Schiff nicht ins Wasser und der neue Dichtingssatz war nicht da. Der Zirkus begann – typisch für Curacao wo es kaum einen interessiert seine Arbeit zu tun.
So kam es aber, dass ich die beiden kennen gelernt hatte und nach einem kurzen Gespräch verabredeten wir uns für eine kleine Inseltour am Wochenende. Ich bot den beiden an, die Insel zu zeigen, wenn sie schon gezwungenermaßen die Zeit auf Curacao verbringen mussten.
Wir besuchten das Fort Beekenburg, schauten uns die Flamingos an und verbrachten ein paar Stünden am Kokomo Beach. Der Strand ist toll zum schnorcheln und da Sonntags die meisten Strände recht voll sind, entschied ich mich für diesen, denn meist ist dieser Strand nicht so überfüllt und es gibt sehr leckeren Frozen Cappuccino.
Nachdem wir genug Strand hatten ging es dann noch ein wenig in westlicher Richtung, und dann zurück aus Schiff.
Wie das so ist, erzählt natürlich jeder von seinen Problemen und so kam es auch zur Sprache, dass ich noch mit meiner Elektronik kämpfe. Gerhard bot mir dann seine Hilfe an und so begannen wir uns intensiv mit diesem Problem auseinanderzusetzen.
Wieder Kabelgewirr aufmachen und los ging es mit Kabel verfolgen und durchmessen. Diese Arbeit kann man allein kaum machen, dazu hat man einfach zu wenig Hände, dazu auch oft viel zu kurze Arme. Nach einigen Stunden kristallisierte sich aber das Problem und wir hatten endlich Erfolge. Es stellte sich heraus, dass sämtliche Kabel (wie so oft schon festgestellt) einfach abgeklemmt waren. Manche Kabel wurden von einem Idioten verlegt… ein rotes Kabel einfach mit einem Schwarzen verlängert und somit natürlich Chaos erzeugt, denn wer geht schon davon aus, dass ein schwarzez Kabel auf einer positiven Leitung hängt.
Massekabel hingen dafür einfach so runter und waren nirgendwo angeschlossen. Wie erwähnt, nachdem wir die Kabel identifizieren konnten, wurde es ein wenig einfacher. Mit Hilfe des Adapterkabels konnten wir dann die Geräte mit dem Kartenplotter verbinden und plötzlich war fast alles funktionsfähig.
Nur der Autopilot wollte noch nicht. Erst gab es ein Alarmsignal – immerhin ein erstes Anzeichen dass sich etwas tut. Interessanterweise war der Alarm irgendwann weg und nachdem wir noch ein weiteres Kabel entdeckten und dieses dann auch entsprechend angeschlossen hatten, gab es eine Reaktion vom Autopilot.
Ob dieser richtig funktioniert wird spannend wenn das Boot dann mal im Wasser ist und man eine Probefahrt machen kann. An Land ist es natürlich schwierig zu testen, ob der Autopilot Kurs halten würde – und genau das ist für mich die wichtigste Funktion. Daher wird es noch spannend in den kommenden Tagen.
Mittleirweile sind auch die Teile für die “Inspiration” angekommen und wurden sofort eingebaut. Am nächsten Morgen war die Inspiration auch gleich wieder im Wasser – da wo sie hingehört.
Die beiden blieben aber dennoch ein paar Tage da und nutzen auch gleich die Gelegenheit sich mit Proviant etwas einzudecken. Dann kam aber die Zeit des Abschieds und die beiden segelten weiter nach Aruba.
Nun kämpfe ich wieder alleine mit meinen Problemen, wobei es im Moment nur noch darum geht alles entsprechend fertig zu machen, vor allem den Kartenplotter am Steuerstand zu montieren. Dazu durfte ich erstmal die entsprechenden Kabel verlegen und damit auch neue Löcher bohren – wovor ich immer großen Respekt habe bei einem Schiff eben mal ein Loch irgendwo zu bohren. Die Kabel sind nun verlegt, als nächstes steht das Anbringen des Kartenplotters an – und da ist auch schon das nächste Problem – der Platz ist etwas knapp.
Nachdem ich nun mit dem Anstreichen fertig bin, ist das nun oberste Priorität. Wie diese Geschichte weiter geht, gibts dann im nächsten Blogartikel.








